
Im Juni findet jedes Jahr die Aktionswoche Schuldnerberatung der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände statt. In diesem Jahr steht die Aktionswoche (15.06. – 19.06.2026) unter dem Motto „Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P-Konto zum Problemkonto wird“. Das Haus der Familie Puderbach nimmt die Aktionswoche Schuldnerberatung zum Anlass und beschäftigt sich im Juni mit dem Monatsthema „Raus aus den Schulden“.
Kredite, Ratenzahlung, Autofinanzierung – Schulden zu machen gehört für viele Menschen zum Leben dazu. Solange das Geld da ist, die Kredite zu bedienen und die Raten abzuzahlen, stellt dies kein Problem dar. Aber was passiert, wenn man über seine eigenen finanziellen Möglichkeiten lebt oder durch unvorhergesehene Ereignisse plötzlich vor einem Schuldenberg steht? Der Überblick über die finanzielle Lage geht meistens, ohne dass man es merkt, verloren.
Doch es gibt einen Weg aus den Schulden. Mithilfe eines Überblicks über die genauen Einnahmen und Ausgaben kann ein realistischer Haushaltsplan sowie eine Strategie zum Abbau der Schulden erstellt werden. Der Ausstieg aus den Schulden erfordert viel Engagement und Geduld, vor allem aber Mut für den ersten Schritt.
Überblick über Schuldenlage bekommen
Der erste Schritt raus aus den Schulden besteht darin, sich einzugestehen, dass man den Überblick über die finanzielle Lage verloren hat. Viele Menschen schämen sich ihrer Schulden und schieben die Auseinandersetzung mit der Schuldensituation auf die lange Bank. So schwer es auch ist, jetzt gilt es, nicht mehr die Augen vor der Realität zu schließen. Vier Fragen können am Anfang helfen, die eigene Lage besser zu verstehen:
Wie ist es bis zu diesem Punkt gekommen?
Wo stehe ich jetzt?
Wie komme ich wieder heraus?
Was mache ich, dass dies nicht noch einmal passiert?
Die Gründe, wie es zu einer Überschuldung kommt, sind vielfältig und für jede/n individuell. Arbeitslosigkeit, geschäftlicher Konkurs oder eine Trennung von der Partnerin/vom Partner können dazu führen, dass sich Schulden ansammeln. Geldprobleme entstehen auch, wenn man über die Verhältnisse hinauslebt. Besonders tückisch hierbei sind Zahlungsanbieter im Internet, die Ratenzahlungen oder eine Zahlung erst in 30 Tagen anbieten. Das "Kaufe jetzt, zahle später" verführt dazu, mehr zu kaufen, als man sich leisten kann.
Wo stehe ich jetzt?
Die Frage "Wo stehe ich jetzt?" lässt sich am besten beantworten, indem man sich einen Überblick über die eigene finanzielle Situation verschafft. Dies bedeutet alle Unterlagen zusammenzusuchen, zu sortieren und auszuwerten. Dazu gehören alle Verträge, Rechnungen, Mahungen und noch ungeöffnete Post. Es ist verständlich, warum Menschen sich gerade vor diesem Schritt drücken, ist es doch langweilige Büroarbeit, aber auch eine Konfrontation mit unangenehmen Tatsachen und wenig erfreulichen Inhalten.
Wer sich durch den Papierwust durchgekämpft hat, erlangt am Ende jedoch realistische Zahlen, mit denen weitergearbeitet werden kann. Statt der Unwissenheit gibt es Gewissheit, die viele an diesem Punkt erst einmal aufatmen lässt.

© Rudy and Peter Skitterians/Pixabay
Wie funktioniert das Sortieren genau?
Zum Überblick über die eigene Finanzlage sind Hilfsmittel wie Taschenrechner, verschiedene Ordner sowie Papier zur Listenerstellung sinnvoll. Wenn alle Unterlagen zusammengetragen sind, beginnt das Sortieren. Ungeöffnete Briefe werden geöffnet und Papiere, die zusammengehören, zusammengeheftet. Hilfreich ist es, die Schreiben nach Absendern zu ordnen und pro Gläubiger einen Stapel mit allen zugehörigen Unterlagen zu bilden.
Ist dieser Schritt geschafft, wird sich jeder Stapel einzeln vorgenommen und nach Datum sortiert, so dass das neueste Schreiben obenauf liegt. Nun kommt jeder Stapel einzeln dran: Welche Forderung hat der Gläubiger? Ein Anruf beim Gläubiger kann helfen, den genauen Zahlungsrückstand zu erfahren. Zugleich signalisiert dies dem Gläubiger die Bereitschaft zur Abzahlung der Schulden, welche von vielen Gläubigern positiv angesehen wird.
Schuldenliste erstellen
Außerdem findet man auf diese Weise einen direkten Ansprechpartner für mögliche Ratenzahlungen oder verbindliche Absprachen. Alle ausstehenden Schulden werden zusammen mit dem jeweilgen Gläubiger in einer Schuldenliste notiert. Sind alle Stapel abgearbeitet, sollten diese in einem oder mehreren Ordnern ordentlich abgeheftet werden, damit jederzeit darauf zugegriffen werden kann.
Wie eine solche Schuldenliste aussehen kann, zeigt das Beispiel der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.
Einnahmen und Ausgaben
Nach der Erstellung der Schuldenliste erfolgt die Aufstellung aller Einnahmen und Ausgaben anhand von Kontoauszügen. Zu den Einnahmen gehören der Lohn, Nebeneinkünfte, staatliche Unterstützungen wie Wohngeld, Bürgergeld sowie das Kindergeld etc. Die Ausgaben setzen sich aus den Fixkosten (Miete, Strom, Wasser, Müllgebühren, Versicherungen, Verträge etc.) und dem Lebensunterhalt (Lebensmittel, Hygieneprodukte, Ausgaben für Unterhaltung, Schulbedarf etc.) zusammen.
Ein Haushaltsbuch, in dem alle monatlichen Einnahmen und Ausgaben eingetragen werden, gibt Auskunft darüber, wo Kosten eingespart werden können. Man kann die Haushaltsübersicht in einem Notizbuch oder auf dem Computer in eine Tabelle eintragen. Wer sein Smartphone benutzen möchte, kann sich eine passende App herunterladen. Hierbei sollte darauf geachtet werden, eine App zu benutzen, die bereits in der kostenlosen Variante viele Funktionen bietet.
Haushaltsbuch benutzen
Die Aufstellung über die finanzielle Lage gibt Auskunft darüber, bei welchen Posten das Geld "verschwindet". Neue Post sollte stets sofort geöffnet werden und Änderungen bei den Einnahmen, Ausgaben oder bei der Höhe der Schulden in der jeweiligen Liste notiert werden.

© Thomas Ulrich/Pixabay
Die Verbraucherzentrale zeigt, wie ein Haushaltsbuch mit Übersicht der Einnahmen und Ausgaben helfen kann, einen Überblick über die eigenen Finanzen zu bekommen.
Die Arbeitsgemeinschaft der Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) fordert im Rahmen der Aktionswoche 2026 vom 15. - 19. Juni unter dem Motto "Wie komme ich an mein Geld? Wenn das P-Konto zum Problemkonto wird" Verbesserungen beim Pfändungsschutzkonto (P-Konto), da in Deutschland monatlich zwischen 300.000 und 350.000 Konten gepfändet werden.
Obwohl das P-Konto Verbrauchern ermöglicht, einen gesetzlich festgelegten Grundfreibetrag vor Pfändungen zu schützen, gibt es in der Praxis erhebliche Probleme: verzögerte Einrichtung, verweigerte Umwandlungen und bürokratische Hürden gefährden die Existenzsicherung Betroffener.

Die AG SBV stellt vier zentrale Forderungen: Erstens soll der Staat das P-Konto als soziales Sicherungsinstrument wirksam schützen, klare Standards für Banken schaffen und Verstöße sanktionieren. Zweitens muss der Zugang zu Basiskonten gesichert und Hürden abgebaut werden, da Banken der Pflicht zur Bereitstellung oft nur widerwillig nachkommen.
Drittens bedarf die Schuldnerberatung eines bedarfsgerechten Ausbaus mit gesicherter Finanzierung für angemessene personelle und materielle Ausstattung. Viertens fordert die AG SBV einen gesetzlichen Rechtsanspruch auf kostenlose Schuldner- und Insolvenzberatung für alle Menschen in finanzieller Not, unabhängig von ihrer Einkommenssituation.
Abtrag der Schulden
Nach Abzug der Ausgaben von den Einnahmen bleibt die Summe übrig, die zum Schuldenabtrag genutzt wird, aber auch zum Ansparen eines Notgroschens für unerwartete Kosten genutzt werden sollte. Wenn die Ausgaben die Einnahmen überschreiten, sollte möglichst bald ein Termin bei einer Schuldnerberatung vereinbart werden.
In der Schuldnerberatung haben Miet- und Energieschulden sowie Unterhaltszahlungen, Geldstrafen oder Steuerschulden Vorrang vor Zahlungsaufforderungen von Dienstleistern oder Geschäften. Das Abzahlen der Schulden, z.B. über Ratenzahlungen oder als ganzer Betrag, sollte mit jedem Gläubiger einzeln ausgehandelt werden. Den meisten Gläubigern ist es lieber, Geld in Raten zu bekommen als gar kein Geld.
Schulden Schritt für Schritt abtragen
Die Zahlungsvereinbarung sollte schriftlich in einem kurzen Schreiben aufgesetzt werden. Eine Kopie kommt zu den Unterlagen. Wer seine Raten zuverlässif zahlt und zusätzliche Einnahmen zum Schuldenabbau nutzt, baut sich eine gute Basis auf, um bei außerplanmäßigen Kosten einen Gläubiger davon zu überzeugen, einen Aufschub für 1-2 Monate zu gewähren.
Viele Schuldnerinnen und Schuldner berichten von einem regelrechtem Aufatmen, wenn der erste Gläubiger von der Liste gestrichen ist. Eine Überprüfung der Gläubigerliste zeigt, wie es mit dem Abzahlen geklappt hat, wie hoch die offenen Schulden noch sind oder ob andere Raten erhöht werden können, weil ein Schuldenposten weggefallen ist.
Wie auf jedem Weg gibt es auch hier Höhen und Tiefen. Statt den Mut zu verlieren oder sich Vorwürfe zu machen, ist es besser, Strategien zu finden, damit umzugehen.
Wie gehe ich mit Geld um?
- keine Zettelwirtschaft mehr: Ordnungssystem mit Ordnern für Bank, Wohnen, Auto, Gesundheit, Versicherungen, Finanzamt, Haushalt, Behörden, persönliche Dokumente, Beruf anlegen
- beim Kauf von notwendigen Gerätschaften auf günstigere Alternative achten
- beim Kauf überlegen, ob man das wirklich braucht (Bedenkzeit: 10 Minuten bei kleinen Anschaffungen, 30 Tage bei großen Anschaffungen)
- vor Einkauf im Supermarkt/Discounter Einkaufszettel schreiben und daran halten
- Preise vergleichen
- Kaufmotive hinterfragen - Steckt vielleicht etwas anderes dahinter?
- Nur das Geld ausgeben, das bereits auf dem Konto ist
- Immer daran denken: Auch viele kleine Ausgaben summieren sich
- Raten zuverlässig abbezahlen
- Notgroschen ansparen
- Nein sagen/Grenzen setzen
Weitere Sparmöglichkeiten sind u.a. das Kündigen von Abos, Mitgliedschaften oder nicht notwendigen Versicherungen, der Austausch von teuren Kreditkarten gegen normale Bankkarten, die Aufgabe oder das Reduzieren des Rauchens, der Verzicht auf Fertigprodukte oder Markenprodukte, das Nutzen von Sonderangeboten oder das Trinken von Leitungswasser. Durch einen Nebenjob sind unter Umständen mehr Einnahmen möglich.
Budget einteilen
Bevor das monatliche oder wöchentliche Budget eingeteilt werden kann, müssen zunächst die Fixkosten sowie der Betrag zum Abtrag der Schulden vom Nettoeinkommen abgezogen werden. Der Rest ist das Haushaltsgeld, um Lebensmittel, Hygieneartikel, Fahrkarten etc. zu bezahlen. Daneben sollte man immer auch an zukünftige Sonderausgaben denken, die plötzlich auf einen zukommen können. Hierbei hat es sich bewährt, pro Woche oder pro Monat einen bestimmten Betrag als Notgroschen zur Seite zu legen.

Notgroschen ansparen
Jedem Haushaltsposten wird ein wöchentliches oder monatliches Budget zugewiesen, das nicht überschritten werden sollte. Am Ende der Woche oder des Monats kommt es zur Abrechnung. Ist man innerhalb des Budgets geblieben? Oder wurde das Budget überschritten? Wo gibt es noch Sparmöglichkeiten? Bleibt am Ende des Zeitraumes etwas vom Budget übrig, wird dieser Betrag in die Abzahlung des Schuldenbetrages gesteckt oder als Notgroschen gespart.
Wer es geschafft hat seine Schulden zu tilgen, darf sich gerne auf die Schulter klopfen, denn er oder sie hat Großes geleistet. Jetzt gilt es dranzubleiben, um nicht noch einmal in die Schuldenfalle zu geraten. Ein Betrag von 2-3 Monatsgehältern, der als "Geldpolster" angespart wird, hilft bei unvorhergesehenen Ausgaben.
Hilfe annehmen
Nicht jeder schafft es, sich allein wieder aus dem Schuldensumpf herauszuziehen. Besonders wenn die Ausgaben die Einnahmen bei weitem übersteigen und kein Geld da ist, um die Schulden abzuzahlen. In diesen Fällen prüft die Schuldnerberatung, ob ein Insolvenzverfahren für den Schuldner/die Schuldnerin von Vorteil ist.
Außerdem unterstützt die Schuldnerberatung auch alle Schuldnerinnen und Schuldner bei einer Entschuldungsstrategie mit Raten oder einem Vergleich mit Gläubigern. Zusammen werden nicht nur die finanzielle Situation unter die Lupe genommen, sondern auch Einsparmöglichkeiten im Haushalt besprochen, Musterbriefe für den Schriftverkehr aufgesetzt und Gespräche mit den Gläubigern geführt.
Titelbild: © canva.com
