
Miteinander zu reden und dem Gesprächspartner aktiv zuhören sind die Voraussetzungen für eine gute Beziehung - sei es unter Familienmitgliedern oder in der Partnerschaft. Doch eine erfolgreiche Kommunikation in der Familie muss erlernt und geübt werden. Dabei können Gesprächsregeln hilfreich sein, damit Streitigkeiten oder Konflikte nicht aus dem Ruder laufen. Denn ein offener und wertschätzender Umgang im Gespräch schafft Nähe und baut starke Beziehungen auf.
Ins Gespräch kommen
Mit Kindern ins Gespräch zu kommen, ist manchmal gar nicht so einfach. Manche Kinder plaudern munter los, andere sind verschlossen, schüchtern und brauchen mehr Zeit, bis sie sich öffnen. Wichtig ist es, dem Kind zu zeigen, dass man für es da ist, und ihm die ganze Aufmerksamkeit widmet, wenn es das Gespräch sucht. Sollten Eltern merken, dass ihr Kind etwas auf dem Herzen hat, dann kann ein "Möchtest du darüber sprechen?" ein guter Anfang für ein Gespräch sein.
Aktives Zuhören
Eltern neigen dazu, ihren Kindern zwar zuzuhören, sich aber gleichzeitig nicht ganz auf die Gesprächssituation einzulassen, weil man im Kopf mit noch zehn anderen Dingen beschäftigt ist. Oft unterbrechen Eltern ihre Kinder, erteilen ihnen Ratschläge oder bieten ihnen fertige Lösungen an. Aktives Zuhören bedeutet aber, vollkommen auf die Gefühle des Kindes einzugehen und nicht dazwischen zu reden.
Auf diese Weise fühlt sich das Kind verstanden. Durch Rückmeldungen vermitteln die Eltern ihrem Kind, dass sie die Gefühle des Kindes annehmen. Dabei spiegeln die Rückmeldungen sozusagen die Aussagen des Kindes. Wenn das Kind sagt, "Emilia spielt nicht mehr mit mir", können Eltern dies mit "Du scheinst sauer auf Emilia sein" spiegeln.
Blickkontakt herstellen
Beim aktiven Zuhören sollten Tonfall, Mimik und Verhalten übereinstimmen. Mit Lächeln etwas Ernstes zu sagen, verwirrt ein Kind. Stellen Sie Blickkontakt her und schauen Sie Ihren Kind beim Gespräch in die Augen. Bei kleinen Kindern geht man auf Augenhöhe, fasst sie an den Händen oder den Schultern, um dem Kind zu zeigen, dass man in diesem Augenblick nur für das Kind da ist.
Rückmeldungen geben
Eltern haben schnell einen Ratschlag parat, wie das Kind die Situation lösen kann. Der Ratschlag "Spiel doch mit einem anderen Kind" hört sich zunächst ganz logisch an, allerdings wird nicht auf die Gefühle des Kindes eingegangen. Das Kind ist traurig oder wütend, weil die Freundin nicht mit ihm spielt. Es wird daraus nur lernen, dass seine Gefühle nicht wahrgenommen werden.

© Kindel Media/Pexels
Verständnis zu zeigen und Rückmeldungen zu geben, sollen dem Kind helfen, zu einer eigenen Lösung zu kommen. Dabei muss die Lösung nicht nicht sofort aus dem Gespräch hervorgehen. Es kann auch passieren, dass ihr Kind erst einmal eine Nacht darüber schläft, bevor es eine Lösung für das Problem gefunden hat. Wesentlich ist, dem Kind vermittelt zu haben, dass es gehört wird, seine Gefühle angenommen werden und die Eltern dem Kind zutrauen, eine eigene Lösung zu finden.
Erfährt ein Kind immer wieder, dass seine Gefühle nicht wahrgenommen werden, wird sich das Kind im schlimmsten Fall mit seinen Problemen nicht mehr an die Eltern wenden und sich zurückziehen. Die Eltern sind dann oft ratlos: "Ich weiß nicht, was im Kopf meines Kindes vorgeht."
Streiten gehört dazu
Streitigkeiten gibt es in jeder Familie. Kein Wunder, schließlich leben verschiedene Charaktere zusammen, die gemeinsam miteinander klar kommen müssen. Reibereien sind da vorprogrammiert. Aber die Familie kann selbst bestimmen, wie mit solchen Streitigkeiten umgegangen wird. Zunächst sollten Dinge, die einen ärgern, angesprochen werden. Wer seinen Ärger immer wieder herunterschluckt, wird krank oder explodiert bei irgendeiner Nichtigkeit.

© cottonbro/Pexels
Jeder kennt Du-Sätze oder Man-Sätze, hat sie schon gehört oder sie selbst geäußert. "Du hast den Müll schon wieder nicht rausgebracht!", "Du kommst zu spät nach Hause!" oder "Man schreit nicht laut im Supermarkt herum. So etwas gehört sich nicht!" Diese Sätze erzeugen beim Gegenüber sofort eine ablehnende Haltung, da sie als Vorwurf aufgenommen werden. Die angesprochene Person kann darauf mit Gegenwehr reagieren oder sich zurückziehen. Meistens dauert es nicht lange und ein Streit bahnt sich an.
Ich-Botschaften benutzen
Besser ist es, Ich-Botschaften zu nutzen, die Gefühle, Bedürfnisse und Wünsche zum Ausdruck bringen. Diese lösen weniger Widerstand aus als ein Verbot oder ein Befehl. Die eigenen Gefühle werden ausgedrückt und die Bedürdnisse geäußert. Die drei oben genannten Sätze könnten dann folgendermaßen lauten:
"Ich ärgere mich, dass der Müll nicht herausgebracht wurde. Ich hatte einen langen Tag und bin müde. Ich möchte, dass du dies für mich übernimmst."
"Als du nicht zur vereinbarten Zeit zu Hause gewesen bist, habe ich mir Sorgen gemacht. Deshalb konnte ich nicht schlafen. Ich bin froh, dass du jetzt zu Hause bist. Ich wünsche mir, dass du rechtzeitig zuhause bist."
"Es ist mir peinlich, wenn du laut im Supermarkt herumschreist. Ich habe das Gefühl alle schauen uns an. Dann ärgere ich mich. Ich wünsche mir, dass du leiser bist."
Wenn der Streit außer Kontrolle gerät
Auch Streiten will gelernt sein. Beschimpfungen und Vorwürfe bringen einen meist nicht weiter. Sie führen eher dazu, dass beide Seiten sich angegriffen fühlen. Beim Streiten sollte man beim Thema bleiben und nicht alles hervorholen, was man schon immer mal sagen wollte. Hören Sie ihrem Gesprächspartner zu und stellen Sie Fragen, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Es kann hilfreich sein, den Blickwinkel zu ändern, um ein besseres Verständnis für das Gegenüber zu empfinden.
Jede Äußerung, die gemacht wird, kann verschiedene Bedeutungen haben. Das macht es oft gar nicht so einfach, den anderen richtig zu verstehen. Derjenige, der etwas sagt, möchte zumeist etwas ganz anderes ausdrücken, als wie es beim Angesprochenen ankommt. Eine Äußerung hat also immer mehrer Deutungsmöglichkeiten.
Bei Unklarheiten nachfragen
Ist die Bedeutung einer Äußerung während eines Gesprächs unklar, hilft es, nachzufragen: "Kannst du mir das bitte nochmal erklären? Das habe ich nicht richtig verstanden." Durch Nachfragen wird der Gesprächspartner dazu gebracht, seine Aussage nochmals zu überdenken und verständlicher zu erklären.
Wenn die Emotionen sich nach oben schaukeln und ein Streit außer Kontrolle zu geraten droht, ist es besser, das Gespräch abzubrechen und eine Pause einzulegen. Sagen Sie: "Wir brauchen eine kurze Pause, bis wir uns beruhigt haben!". Mit einem klareren Kopf kann das Gespräch erneut gesucht werden. Um nicht wieder in den gleichen Teufelskreis von gegenseitigen Anschuldigungen zu geraten, ist es ratsam, erst einmal darüber zu sprechen, wie man im Streit miteinander umgegangen ist.
Hierbei ist es wieder hilfreich, Ich-Botschaften zu nutzen: "Ich möchte nicht beschimpft werden. Ich wünsche mir, dass wir anders miteinander reden und umgehen" oder "Ich wünsche mir, dass du mir zuhörst. Was können wir machen, damit das klappt?". Sollte man sich im Streit im Ton vergriffen haben, ist eine Entschuldigung angebracht.
Gesprächsregeln für Familien
-
Wir lassen einander ausreden.
Niemand wird unterbrochen, jede Meinung zählt. -
Wir sprechen respektvoll miteinander.
Keine Beleidigungen, kein Spott, kein Anschreien. -
Ich-Botschaften statt Du-Vorwürfe.
Zum Beispiel: „Ich fühle mich …“ statt „Du machst immer …“. -
Gefühle dürfen benannt werden.
Freude, Ärger oder Traurigkeit sind erlaubt und ernst zu nehmen. -
Wir bleiben beim Thema.
Alte Konflikte werden nicht ungefragt wieder hervorgeholt. -
Alle dürfen ihre Meinung sagen.
Auch Kinder – ohne Angst vor Konsequenzen. -
Wir versuchen, Lösungen zu finden.
Nicht nur Probleme benennen, sondern gemeinsam nach Wegen suchen. -
Wir nehmen uns Zeit füreinander.
Gespräche ohne Ablenkung (Handy, Fernseher aus). -
Fehler sind erlaubt.
Niemand ist perfekt, Entschuldigungen gehören dazu. -
Wir beenden Gespräche fair.
Auch bei Streit wird ein respektvoller Abschluss gesucht.
Gespräche in der Familienrunde
In der Familienrunde werden alle die Familien betreffenden Angelegenheiten besprochen. Das können die Verteilung von Aufgaben im Haushalt, Streitigkeiten zwischen Geschwistern oder die Planung von Ausflügen oder Wochenenden sein. Jedes Familienmitglied ist gleichberechtigt und kann Vorschläge machen, über welche Themen gesprochen werden soll. Die Treffen sollten regelmäßig, am besten einmal die Woche zu einer bestimmten Zeit stattfinden.
Gemeinsam Lösungen finden
Durch die regelmäßigen Familiengespräche machen Kinder von klein auf die Erfahrung, dass sie ernst genommen werden. Außerdem lernen sie Verantwortung zu übernehmen, gemeinsam Lösungen für Probleme zu finden sowie selbstständig und verantwortungsbewusst zu handeln. Streitigkeiten, die die Eltern und ein Kind betreffen, sollten dagegen in einem persönlichen Gespräch geklärt werden. Das Gute an der Familienrunde ist, dass Meinungsverschiedenheiten in einem geschützten Rahmen ausgetragen werden können. Die Familienrunde kann auch dazu genutzt werden, Gesprächsregeln in der Familie festzulegen.
Online-Terminbuchung Erziehungs-, Familien-, Paar- und Lebensberatung
www.familienhandbuch.de
www.bke.de
Weiterführende Literatur:
Gordon, Thomas: Familienkonferenz. Die Lösung von Konflikten zwischen Eltern und Kind. Heyne Verlag, 2012.
Steiniger, Rita: Ihr seid alle so gemein! Eltern lösen Konflikte mit Kindern. Verlag Herder, 2011.
Dreikurs, Rudolf: Kinder fordern uns heraus. Wie erziehen wir sie zeitgemäß? Klett-Verlag, 2009.
© Ron Lach/Pexels
