Familie sitzt auf Boden vor weißer Steinmauer

Eltern sein in Deutschland

 

Eines steht fest: Eltern und Kinder haben in den vergangenen zwei Jahren am meisten unter der Corona-Pandemie gelitten. Bereits ohne eine weltweite Pandemie stehen Eltern schon vor großen Herausforderungen. Sei es die Verantwortung der Kindererziehung, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die Kinderbetreuung oder der Umgang mit der Digitalisierung – das Elternsein ist anspruchsvoller geworden.

Mutter hilft Tochter bei Hausaufgaben

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Auch die Erwartungen an die eigene Elternrolle haben sich verändert. Immer mehr Väter gehen in Elternzeit und wünschen sich mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. Mütter jonglieren mit Familie, Haushalt und Job und sind oft an der Grenze zur Überforderung. Gleichzeitig hat die Pandemie soziale Missstände und Spannungen weiter verschärft. Viele Kinder leben in Armut – und das in einem der reichsten Länder der Welt. Ungleiche Bildungschancen führen dazu, dass Kindern der soziale Aufstieg verwehrt bleibt.

Mit dem Elternsein in Deutschland hat sich auch der neunte Familienbericht des Bundesfamilienministeriums (2021) beschäftigt. Denn in dieser Vielfalt der Herausforderungen brauchen Eltern Orientierung und Unterstützung, um „gute“ Eltern zu sein.

Was bedeutet "Eltern sein"?

Laut Duden sind Eltern die Personen, von denen ein Kind unmittelbar abstammt. In einem größeren Rahmen sollte dies ebenso alle Personen als Eltern umfassen, von denen das Kind vielleicht nicht direkt abstammt, die aber die Mutter- oder Vaterrolle übernehmen. Eltern kümmern sich um das Kind, tragen die Verantwortung für die Erziehung und gestalten das Familienleben. Durch die Erziehung werden Werte weitergegeben und das Kind auf das spätere Leben vorbereitet.

Vater hält Kind in Armen

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Der Wunsch nach der eigenen Familie ist in Deutschland immer noch groß. Neben der klassischen Kleinfamilie aus Vater, Mutter und Kind(er) haben sich viele Familienformen etabliert: Stief- und Patchworkfamilien, Ein-Eltern-Familien oder Regenbogenfamilien. So vielfältig wie die Gesellschaft ist auch die Vielfalt der Familienformen.

Mehr über die verschiedenen Familienformen in Deutschland erfahren Sie im Thema "Familienvielfalt".

Wie ist die Situation von Eltern in Deutschland?

In Deutschland leben 11,6 Millionen Familien. Im neunten Familienbericht des Bundesfamilienministeriums wurden Eltern befragt, was sie sich für ihre Kinder wünschen, wo sie Unterstützung brauchen und wie sie entlastet werden können. Eltern wünschen sich mehr Zeit für die Familie, wirksame und vor allem unbürokratische Geldleistungen sowie gute Betreuungs- und Bildungsmöglichkeiten, die eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ermöglichen.

Elternrolle

Obwohl immer mehr Väter sich für die Elternzeit entscheiden und auch darüberhinaus mehr Pflichten in der Erziehung und im Haushalt übernehmen, herrscht in den meisten Familien noch eine klassische Rollenverteilung: der Vater arbeitet in Vollzeit, die Mutter geht Teilzeit arbeiten und kümmert sich um Kinder und Haushalt. Oft geschieht dies aus finanziellen Gründen.Von einer gerechten Arbeitsaufteilung ist man in Deutschland leider noch weit entfernt.

Die Anforderungen an Eltern in der Fürsorge und Erziehung der Kinder ist gestiegen. Eltern möchten ihren Kindern eine gute Zukunft ermöglichen und stecken aus diesem Grund mehr Zeit und Geld in die Förderung von Kindern. Nachhilfeunterricht, Musikunterricht, Sporttraining und Hobbies können von Eltern aber nur bezahlt werden, wenn genug Geld vorhanden ist.

Kind bei Hausaufgaben

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Druck kommt auch von außen: Die Angst, dass die Kinder in der heutigen Leistungsgesellschaft nicht bestehen, ist groß. Eine gute Ausbildung gilt als Voraussetzung für ein erfolgreiches (Berufs-)Leben. Die Förderung und Begleitung des schulischen Lernens ist eine Herausforderung für alle Familien, ob sie nun wenig oder viel Geld haben. Das hat die Pandemie gezeigt. Denn egal aus welcher Bildungsschicht: Alle Familien sind in dieser Zeit an ihre Grenzen gestoßen.

Der einzige Unterschied war, dass auch hier die ärmeren Familien am härtesten getroffen wurden. Fehlende Laptops und Drucker, weniger Geld durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit und weniger Möglichkeiten, die Kinder zu betreuen haben dazu geführt, dass sich die Bildungschancen weiter verschlechtert haben.

Soziale Ungleichheiten

Armut wirkt sich auf das Wohlbefinden von Familie aus. Sorgen und Zukunftsängste belasten die Eltern. Eltern mit wenig Geld können weniger für die Förderung und Bildung ihrer Kinder aufwenden. Dies wiederum lässt die sozialen Spannungen zwischen Arm und Reich noch deutlicher zutage treten. Als arm gilt eine Familie, wenn sie weniger als 60 % des mittleren Nettoeinkommens zur Verfügung hat. Arme Familien haben durch staatliche Leistungen zwar ein Dach über dem Kopf, trotzdem müssen sie mit dem Nötigsten leben. Eine warme Mahlzeit am Tag ist da nicht immer selbstverständlich.

Jedes fünfte Kinder unter 18 Jahren ist von Armut bedroht. Besonders Alleinerziehende, Mehrkindfamilien und zugewanderte Familien müssen mit sehr wenig Geld auskommen. Anträge für Leistungen werden oft aus Unkenntnis, Scham, Sorge vor Rückzahlung oder anderen Hürden nicht in Anspruch genommen. Dazu kommt, dass bezahlbarer Wohnraum immer knapper wird und die Preise für Lebensmittel, Heizkosten und Benzin gestiegen sind.

Was brauchen Eltern?

Eltern muss es ermöglicht werden, "gute" Eltern zu sein. Hierfür brauchen sie einen Ausbau von Kita-Plätzen, Ganztagsbetreuung in den Schulen und ausreichend gut ausgebildetes und miteinander vernetztes Personal in den Betreuungseinrichtungen. Weiter ist für eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Unterstützung von Unternehmen und Kommunen vonnöten. Flexible Arbeitszeitmodelle und Homeoffice können Eltern entlasten und dafür sorgen, dass mehr "Familienzeit" zur Verfügung steht. Die Sorgearbeit sollte gleichmäßig zwischen Vater und Mutter aufgeteilt sein.

Kind spielt im Kindergarten

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Das Elternsein ist schwieriger geworden - Eltern brauchen Unterstützung und Orientierung von der Geburt des Kindes an und darüber hinaus. Bedarfsgerechte und niedrigschwellige Angebote erreichen auch Familien aus sozial benachteiligtem Umfeld. Anträge zu Familienleistungen müssen vereinfacht werden.

Angebote zur Unterstützung

Die Erziehungs-, Ehe- und Lebensberatung des Diakonischen Werkes im Ev. Kirchenkreis Wied unterstützt Eltern bei Erziehungsfragen. Ein Termin zu einem Erstgespräch im Haus der Familie Puderbach kann über die Online-Terminbuchung gebucht werden oder Sie melden sich unter Tel. 02631-3922-0 an.

Das Familientelefon des Diakonischen Werkes im Ev. Kirchenkreis Neuwied ist für Sie unter Tel. 02631-39 22 55 zu erreichen. Gerade die Corona-Situation stellt Familien vor große Herausforderungen und Termine auszumachen und in eine Beratungsstelle zu kommen, erscheint vielen als sehr aufwendig. Deshalb ist es möglich an jedem Tag der Woche eine Expertin zu befragen, und zwar montags und donnerstags jeweils von 14.00 Uhr bis 14.30 Uhr, dienstags und mittwochs von 10.30 Uhr bis 11.00 Uhr und freitags von 9.00 Uhr bis 9.30 Uhr.

Frau am Telefon

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In Kindertagesstätten und Grundschulen ist die zugehende Beratung des Diakonischen Werkes im Ev. Kirchenkreis Wied zuständig. Dazu gehören die Ev. Kita Rengsdorf, die Ev. Kita Anhausen sowie die Kitas der Verbandsgemeinde Puderbach (Frau Schmidhuber und Frau Köhl) und die Grundschulen Sonnenland, Geschwister-Scholl und Heddesdorfer Berg in Neuwied sowie die Grundschulen in Urbach, Raubach und Puderbach (Frau Hoffmann und Frau Krause-Geiger).

Auf dem Familienportal des Bundesfamilienministeriums finden Sie Informationen rund um die Familie sowie das Infotool Familienleistungen.

Das Nationale Zentrum Frühe Hilfen unterstützt Schwangere und Eltern bis 3 Jahre.

Elternleben.de ist eine werbefreie Plattform, die vielfach erprobtes Experten-, Alltags- und Erfahrungswissen für Mütter und Väter anbietet. In der dazugehörigen Community können sich Eltern in geschütztem Rahmen untereinander und mit Experten zu den Themen austauschen, die sie bewegen. Durch regionale Partner finden Nutzer*innen Termine und praktische Hilfe vor Ort.